Wie sich Gründer gut auf ein Coaching vorbereiten können
Wer zum ersten Mal ein Coaching in Anspruch nimmt, erlebt oft eine überraschende Situation: Der Coach stellt eine offene Frage, und plötzlich weiß man nicht mehr, wo man anfangen soll. Nicht weil es nichts zu besprechen gäbe, sondern weil es zu vieles gibt. Produkt, Team, Finanzen, die eigene Rolle. Alles gleichzeitig.
Das ist kein Versagen. Es ist ein Zeichen dafür, dass Coaching nicht einfach passiert, sondern vorbereitet werden will.
In der Coaching-Forschung gibt es dafür einen Begriff: Coachability. Gemeint ist die Bereitschaft und Fähigkeit, Feedback zu suchen, anzunehmen und tatsächlich umzusetzen. Ein systematischer Review, der 2025 in Sports Medicine erschienen ist und 53 Studien über fünf Jahrzehnte auswertet, unterscheidet dabei sechs Dimensionen: Aufmerksamkeit, Lernbereitschaft, Persistenz beim Umgang mit Rückschlägen, aktives Suchen nach Feedback, Offenheit gegenüber Feedback und schließlich die Umsetzung des Gehörten in konkretes Handeln.
Für Gründer ist dabei ein Befund besonders relevant: Wer coachbar ist, profitiert nachweislich mehr von Förderprogrammen und ist mit seiner Coaching-Erfahrung zufriedener (Kuratko et al., 2021). Gleichzeitig warnen Forscher davor, Coachability mit Gefügigkeit zu verwechseln. Gründer kennen ihr Unternehmen tiefer als jeder externe Coach. Nicht blinde Zustimmung ist gefragt, sondern kritische Offenheit.
Aus diesen Erkenntnissen lassen sich einige einfache Vorbereitungsschritte ableiten.
Ein Thema mitbringen. Kein Coach kann aus einer vagen Situation heraus gute Arbeit leisten. Was beschäftigt mich gerade wirklich? Was will ich in drei Monaten anders haben?
Wissen von Nichtwissen trennen. Es gibt Bereiche, in denen Gründer sehr gute Einschätzungen haben. Und es gibt Bereiche, in denen sie zu nah am eigenen Unternehmen sind, um Muster zu erkennen.
Auf unbequemes Feedback vorbereitet sein. Es hilft, sich vor dem Gespräch bewusst zu machen, dass man nicht mit dem Ziel in das Coaching geht, Recht zu behalten.
Aktiv nachfragen. Gute Coaches stellen gute Fragen. Aber auch Gründer dürfen fragen: Wie siehst du das? Was würdest du an meiner Stelle als nächstes tun?
Das Gespräch nachbereiten. Eine kurze Notiz nach dem Coaching erhöht die Wahrscheinlichkeit deutlich, dass das Gehörte auch im Alltag ankommt.
Ein Coaching ist keine Beratungsstunde, in der man Antworten bekommt. Es ist ein strukturierter Raum für Reflexion, und wie viel man aus diesem Raum mitnimmt, hängt maßgeblich davon ab, wie man hineingeht. Coachability ist keine feste Persönlichkeitseigenschaft. Sie ist eine Haltung, die sich entwickeln lässt.
Kuratko, D. F., Neubert, E. & Marvel, M. R. (2021). Insights on the mentorship and coachability of entrepreneurs. Business Horizons, 64(2), 199–209.
Systematic review: Sports Medicine (2025). Why do Some Respond and Develop more from Coaching than Others?
Hagedorn, A. (2017). The Impact of Social Capital for Venture Creation. Dissertation, HHL Leipzig Graduate School of Management.