← Alle Beiträge
Anwendungsbeispiel

Gründen oder lizenzieren?

Ein Wissenschaftler hat aus seiner Forschung eine Geschäftsidee entwickelt. SMART Compass hilft ihm, die Entscheidung zwischen einer eigenen Gründung und der Lizenzierung seiner Technologie systematisch zu untersuchen.

Veröffentlicht: · Version 1.0

Das Beispiel in Kürze Für eine Gründung fehlen geeignete Partner, unternehmerische Erfahrung und ein klares Vorgehen. Auch der Lizenzierungsweg ist noch wenig konkret. SMART Compass strukturiert die Situation entlang von Structuring, Motivation, Access, Reflection und Transfer.
Die Ausgangslage

Ein Wissenschaftler hat im Rahmen seiner Forschung eine neue Technologie entwickelt. Erste Gespräche deuten darauf hin, dass eine wirtschaftliche Anwendung möglich sein könnte. Ob daraus tatsächlich ein tragfähiges Geschäftsmodell entstehen kann, ist jedoch noch nicht ausreichend untersucht.

Der Gründer sieht zwei grundsätzliche Möglichkeiten:

  1. Er gründet ein eigenes Unternehmen und entwickelt die Technologie gemeinsam mit einem Team weiter.
  2. Er lizenziert die Technologie an ein bestehendes Unternehmen, das über Marktzugang, Entwicklungskapazitäten und Vertriebsstrukturen verfügt.

Beide Wege erscheinen plausibel. Beide bringen aber unterschiedliche Anforderungen, Risiken und persönliche Konsequenzen mit sich.

Für eine Gründung fehlen derzeit geeignete Partner. Der Wissenschaftler weiß außerdem nicht, welche Schritte zuerst erforderlich wären. Auch der Lizenzierungsweg ist noch wenig konkret. Potenzielle Lizenznehmer wurden bislang nicht systematisch identifiziert und die Anforderungen möglicher Industriepartner sind unbekannt.

Die Ausgangsfrage lautet deshalb zunächst: Soll ich gründen oder lizenzieren?

Diese Frage ist verständlich, für eine fundierte Entscheidung aber noch zu groß. Bevor sie beantwortet werden kann, muss geklärt werden, welche Annahmen hinter den beiden Optionen stehen und welche Informationen noch fehlen.

Das Beispiel ist fiktiv, bildet aber typische Herausforderungen wissenschaftsbasierter Gründungsvorhaben ab.

Die erste SMART-Diagnose
SMART-DimensionUnterstützungsbedarf in der aktuellen Situation
StructuringDie Entscheidung muss in nachvollziehbare Kriterien, offene Fragen und nächste Schritte zerlegt werden.
ReflectionDer Gründer sollte seine Annahmen, persönlichen Ziele und Vorstellungen von beiden Verwertungswegen kritisch prüfen.
AccessEs fehlen Kontakte zu möglichen Mitgründern, Industriepartnern, Lizenznehmern und spezialisierten Experten.
TransferErkenntnisse müssen in Gespräche, Analysen, Tests und verbindliche Entscheidungen übersetzt werden.
MotivationDie lange Unsicherheit und mögliche Rückschläge können die Handlungsbereitschaft beeinträchtigen.

Der vorrangige Bedarf liegt zunächst bei Structuring und Reflection. Ohne eine klarere Entscheidungsgrundlage wäre es zu früh, direkt nach einem Investor, Mitgründer oder Lizenznehmer zu suchen.

Schritt 1: Die Entscheidung strukturieren

Der Startup-Coach hilft dem Gründer zunächst, aus der allgemeinen Frage mehrere prüfbare Teilfragen zu entwickeln.

Damit wird aus einer schwer überschaubaren Grundsatzentscheidung ein strukturierter Untersuchungsprozess.

Der Coach muss die fachlichen Antworten nicht selbst kennen. Seine Aufgabe besteht darin, die relevanten Themen miteinander zu verbinden, Lücken sichtbar zu machen und gemeinsam mit dem Gründer eine sinnvolle Reihenfolge festzulegen.

Schritt 2: Annahmen und persönliche Ziele reflektieren

Die Entscheidung zwischen Gründung und Lizenzierung ist nicht ausschließlich eine wirtschaftliche Entscheidung. Sie betrifft auch die persönlichen Ziele, Interessen und Lebensumstände des Gründers.

Ein Gründer kann beispielsweise davon ausgehen, dass eine Lizenzierung automatisch weniger Aufwand verursacht. Tatsächlich können auch die Suche nach geeigneten Lizenznehmern, Verhandlungen, technische Nachweise und Schutzrechtsfragen einen langen Prozess erfordern.

Umgekehrt kann eine Gründung attraktiver erscheinen, weil sie mehr Kontrolle verspricht. Dabei werden möglicherweise der Kapitalbedarf, die Teamverantwortung und die notwendige Marktentwicklung unterschätzt.

Reflection soll den Gründer nicht von einer Option überzeugen. Sie soll ihm helfen, seine eigenen Kriterien und Annahmen bewusster zu prüfen.

Schritt 3: Fehlende Informationen und Zugänge bestimmen

Nach der ersten Strukturierung wird deutlicher, welche Informationen nicht allein im Coaching erarbeitet werden können. Jetzt gewinnt Access an Bedeutung.

Der Gründer könnte Zugang zu folgenden Personen oder Institutionen benötigen:

Dabei ist nicht eine einzelne Person für alle Fragen verantwortlich.

Ein Mentor mit eigener Erfahrung in wissenschaftsbasierten Gründungen kann erläutern, welche Anforderungen beim Aufbau eines Spin-offs häufig unterschätzt werden. Ein Experte für Technologietransfer kann den Lizenzierungsprozess und mögliche Verhandlungsmodelle erklären. Ein Branchenmentor kann einschätzen, welche Unternehmen als Entwicklungspartner oder Lizenznehmer infrage kommen könnten.

Der Startup-Coach hilft, diese Beiträge zu koordinieren und in den Gesamtprozess einzuordnen.

Schritt 4: Gründung und Lizenzierung parallel untersuchen

Der Gründer muss sich nicht sofort endgültig für einen Weg entscheiden. In einer frühen Phase können beide Optionen zunächst parallel untersucht werden.

Mögliche Schritte für die Gründungsoption

  • Gespräche mit potenziellen Kunden führen
  • Anwendungsfälle und Zahlungsbereitschaft untersuchen
  • Anforderungen an die weitere Produktentwicklung bestimmen
  • Kapitalbedarf und Finanzierungsmöglichkeiten grob abschätzen
  • benötigte Rollen im Gründungsteam definieren
  • Gespräche mit möglichen Mitgründern führen
  • persönliche Bereitschaft für eine unternehmerische Rolle prüfen

Mögliche Schritte für die Lizenzierungsoption

  • potenzielle Lizenznehmer identifizieren
  • Gespräche mit Industrieunternehmen vorbereiten
  • technische und wirtschaftliche Anforderungen möglicher Partner untersuchen
  • Schutzrechtslage und Verfügungsrechte klären
  • mögliche Lizenzmodelle verstehen
  • notwendige Nachweise oder Entwicklungsschritte bestimmen
  • Interessen der Hochschule oder Forschungseinrichtung berücksichtigen

Diese parallele Untersuchung reduziert das Risiko, zu früh eine Entscheidung auf Grundlage unvollständiger Informationen zu treffen.

Schritt 5: Erkenntnisse in konkrete Handlungen überführen

Im Bereich Transfer werden aus offenen Fragen konkrete Aktivitäten. Ein erster Coachingfahrplan könnte beispielsweise folgende Schritte enthalten:

  1. Der Gründer formuliert drei mögliche Anwendungsfälle der Technologie.
  2. Er führt Gespräche mit potenziellen Anwendern und Industriepartnern.
  3. Die Technologietransferstelle klärt die Schutzrechtslage und mögliche Lizenzierungsbedingungen.
  4. Ein Mentor mit Erfahrung in wissenschaftsbasierten Gründungen prüft die vorläufigen Annahmen zur Gründungsoption.
  5. Der Gründer erstellt ein erstes Kompetenzprofil für ein mögliches Gründungsteam.
  6. Beide Verwertungswege werden anhand zuvor festgelegter Kriterien verglichen.
  7. Die Erkenntnisse werden gemeinsam mit dem Coach ausgewertet.
  8. Auf dieser Grundlage wird entschieden, welcher Weg weiterverfolgt oder vertieft geprüft werden soll.

Der Fahrplan macht die Unsicherheit nicht vollständig weg. Er verwandelt sie jedoch in einen bearbeitbaren Prozess.

Die Rolle von Motivation

Motivation steht in diesem Beispiel zunächst nicht im Vordergrund. Sie kann im weiteren Verlauf dennoch wichtig werden.

Wissenschaftsbasierte Verwertungsvorhaben benötigen häufig viel Zeit. Gespräche bleiben ohne Ergebnis, mögliche Partner sagen ab oder zusätzliche technische Anforderungen werden sichtbar. Auch unterschiedliche Erwartungen zwischen Forschern, Hochschule und Industrie können belastend sein.

Motivationale Unterstützung bedeutet in diesem Zusammenhang nicht, den Gründer zur Gründung zu überreden. Sie hilft ihm vielmehr, mit Unsicherheit und Rückschlägen umzugehen, Fortschritte wahrzunehmen und handlungsfähig zu bleiben.

Dazu kann auch gehören, eine Option bewusst nicht weiterzuverfolgen. Eine begründete Entscheidung gegen eine Gründung ist kein Scheitern.

Welche Unterstützung wird benötigt?

Aus der SMART-Diagnose ergibt sich kein einzelner idealer Mentor. Stattdessen entsteht ein differenziertes Unterstützungsprofil.

Der Startup-Coach

Der Coach begleitet den gesamten Entscheidungsprozess. Er strukturiert die Situation, reflektiert Annahmen und persönliche Ziele mit dem Gründer, erkennt Informationslücken, bindet zusätzliche Expertise ein und hält die nächsten Schritte zusammen.

Mentoren und Experten

Je nach Frage können ein Wissenschaftsgründer, ein Branchenmentor, ein Experte für Technologietransfer und Lizenzierung oder Spezialisten für Patente, Regulierung und Teamaufbau hinzugezogen werden.

Der Coach fungiert dabei als Orchestrator. Er kontrolliert nicht den Zugang zu anderen Personen, sondern hilft dem Gründer, unterschiedliche Beiträge in einen zusammenhängenden Venture-Building-Prozess zu integrieren.

Persönliche Chemie bleibt eine menschliche Entscheidung

Fachliche Erfahrung und funktionale Passung reichen für eine gute Zusammenarbeit nicht aus. Auch Vertrauen, Kommunikationsstil, gegenseitige Erwartungen und die Bereitschaft zur konstruktiven Auseinandersetzung sind wichtig.

SMART Compass kann sichtbar machen, welche Art von Erfahrung oder Unterstützung aktuell benötigt wird. Die persönliche Chemie zwischen Gründer, Coach und Mentor wird jedoch nicht KI-basiert bewertet. Sie sollte in einem direkten Gespräch geprüft werden.

Wie SMART Compass unterstützt

SMART Compass trifft nicht die Entscheidung, ob eine Technologie gegründet oder lizenziert werden sollte. Das System bewertet auch nicht automatisch das Marktpotenzial, die Qualität eines Patents oder die persönliche Eignung eines Gründers.

Es unterstützt dabei, die aktuelle Situation zu reflektieren, Unterstützungsbedarfe entlang der fünf SMART-Dimensionen sichtbar zu machen und daraus einen strukturierten Coachingfahrplan abzuleiten.

Die KI kann Informationen ordnen, offene Fragen sichtbar machen und die Vorbereitung weiterer Gespräche unterstützen. Fachliche, rechtliche, wirtschaftliche und persönliche Entscheidungen bleiben bei den beteiligten Menschen.

Mögliches Ergebnis

Nach mehreren Kundengesprächen zeigt sich möglicherweise, dass ein attraktiver Markt existiert, die Technologie aber noch weiterentwickelt werden muss. Gleichzeitig findet der Gründer eine Person mit komplementärer unternehmerischer Erfahrung, die grundsätzlich an einer gemeinsamen Gründung interessiert ist. In diesem Fall könnte die Gründungsoption weiter vertieft werden.

Es könnte sich aber auch zeigen, dass nur wenige spezialisierte Unternehmen als Kunden infrage kommen und diese bereits über die notwendigen Entwicklungs- und Vertriebsstrukturen verfügen. Dann kann eine Lizenzierung der sinnvollere Weg sein.

Auch eine Kombination ist denkbar. Der Gründer könnte zunächst mit einem Industriepartner zusammenarbeiten, weitere technische Nachweise entwickeln und die endgültige Verwertungsentscheidung später treffen.

Entscheidend ist nicht, welche Option von außen attraktiver erscheint. Entscheidend ist, dass die Wahl auf einer nachvollziehbaren Prüfung statt auf ungeklärten Annahmen beruht.

Fazit

Die Frage „Gründen oder lizenzieren?“ lässt sich nicht durch einen einzelnen Ratschlag beantworten.

Structuring zerlegt die komplexe Entscheidung in bearbeitbare Fragen. Reflection macht persönliche Ziele und ungeprüfte Annahmen sichtbar. Access eröffnet den Zugang zu relevanten Personen, Wissen und Ressourcen. Transfer übersetzt die Erkenntnisse in konkrete Untersuchungen und nächste Schritte. Motivation unterstützt den Gründer dabei, auch während eines langen und unsicheren Prozesses handlungsfähig zu bleiben.

Der Startup-Coach hält den Gesamtprozess zusammen. Mentoren und Experten ergänzen ihn mit gezielter Erfahrung und fachlicher Tiefe.

SMART Compass liefert keine automatische Entscheidung. Es schafft eine bessere Grundlage dafür, dass Gründer, Coaches und weitere Beteiligte die nächsten Schritte bewusst und nachvollziehbar gestalten können.

Stand und Quellen

Stand: 10. August 2026 · Version: 1.0

Empfohlene Zitierweise: Hagedorn, A. (2026). Gründen oder lizenzieren? Ein Anwendungsbeispiel für SMART Compass (Version 1.0). SMART Compass. https://www.smartcompass.app/de/gruenden-oder-lizenzieren/

Den eigenen Unterstützungsbedarf strukturieren

SMART Compass macht die aktuelle Situation entlang der fünf Dimensionen sichtbar und übersetzt die Reflexion in einen Coachingfahrplan.